Ein dezenter Fall von G.A.S.

FragezeichenLiebe Untertanen!

Dieses mal gibt es Tadel für mich selbst.
Ich leide nämlich an einer milden Form von G.A.S.
Hat aber nichts mit meinen nicht zu knappen Abgasen zu tun, wie man nun vermuten könnte.
Zu deutsch nennt man es Geräte-Anschaffungs-Syndrom oder wie es im englischen Original heißt, Gear Acquisition Syndrome.

Dies äußert sich wie folgt:
Nehmen wir mal an ich habe ein Hobby, wie zum Beispiel fotografieren.
Man beginnt recht bescheiden und kauft sich eine vernünftige Kamera, die man sich halt leisten kann.
Dann fotografiert man eine Zeit lang damit und stellt fest: Mit dieser Kamera (Flaggschiff Kamera eines beliebigen Herstellers) würde man sicher viel bessere Fotos machen können. All die Profis haben so eine und hinter meinem Rücken lachen sie über meine Fotografie-Prothese, die Arschlöcher! Denen werd ich es zeigen!
Nun beginnt man zu recherchieren und Rezensionen zu lesen, Gründe zu finden, warum man das neue Ding unbedingt braucht!
Nach einigen Tagen der Recherche ist man nun sicher, das Ding ist der heilige Gral der Fotografie und man kauft es.
Nach einiger Zeit stellt man dann fest, die Bilder werden nicht sooooo frappierend besser, das liegt wohl an den Objektiven!
Und schon geht es von vorne los…

Zwischendurch kommt noch dazu, dass man eventuell den Kauf bereut, weil es ja doch recht teuer war. Mit etwas sich selbst gut zureden schafft man es aber doch wieder, vorwärts zu blicken und sich das nächste überteuerte Klump zu kaufen…

Beweise siehe Abbildung 1.
zeig-dei-zeigs

Noch ein Beispiel gefällig?
Nehmen wir mal an, ich habe noch ein Hobby, nennen wir es Gitarre spielen.
Ich hab seit meinem 13. Lebensjahr immer wieder Gitarre gespielt.
Zuerst mit einer geborgten bei den Pfadfindern, danach als Lehrling Gitarren-Unterricht und dann selbst eine gekauft.
Danach E-Gitarre. Eine Zeit lang gespielt, dann mangels Zeit und anderer Prioritäten wieder verkauft. Jahrelang nix, dann wieder Lust bekommen.
Beim Hofer (was ja ein Insidertipp unter Gitarrenliebhabern gilt 😉 ) ein E-Gitarren-Set gekauft. Die Gitarre war natürlich nicht besonders gut, aber ich habe sie perfekt eingestellt und sie war dann im Prinzip gut bespielbar. Ich hatte ein digitales Effektgerät, eh zu gut für den Hausgebrauch, aber es war zufriedenstellend.
Dann ging es los.
Die Profis verwenden ja eigentlich zu Hauf analoge Effekte und natürlich jeden einzeln.
Und im Hintergrund sehe ich sie schon wieder, wie sie sich amüsieren, wie ich aus meiner minderwertigen Gitarre und der digitalen Effekt-Prothese versuche ein paar gute Töne zu quetschen! Die Arschlöcher!
Analoge Effekte mussten her. Ich habe auch ein wenig gebastelt und ein Effekt-Board selbst gebaut, wie ich ja berichtet habe…
Effektpedal-Koffer-8

Dann kam Corona und ich habe meine Gitarrenkenntnisse vertieft.
Damit kam ein neuer Schub von G.A.S., neue Gitarren und neue Effekte.

Beweise siehe Abbildung 2.
Pedalboard-neu

Kann ich jetzt besser spielen?
Ja, weil ich täglich geübt habe.
Liegt es an der Gitarre?
Bis zu einem gewissen Grad ja, denn eine Billig-Klampfe spielt sich halt nicht so komfortabel wie eine etwas bessere. Aber es gibt Grenzen.
Profis entlocken eventuell auch einer Billig-Gitarre einen geilen Sound.
Genau so wie Profifotografen auf Gucki-Drucki Kameras auch geniale Fotos zaubern.
Denn Erfahrung spielt halt auch eine Rolle dabei.

Glücklicherweise habe ich nur eine milde Form von G.A.S.
Es sprengt nicht mein Budget, da ich ja sonst eher auf schmalen Fuß lebe. Platztechnisch kann ich ja nicht beliebig viel anschaffen.
Außerdem kaufe ich auch viele Dinge gebraucht, wahrscheinlich von Menschen, die ebenfalls an G.A.S. leiden…
Meine Fotoausrüstung braucht nicht allzu viel Platz und ich beschränke mich selbst auf sechs Gitarren. Kommt eine, geht eine.
Nicht auszudenken, wenn ich ein Haus mit viel Platz hätte, mit eigenem Musikzimmer und Foto-Atelier…

G.A.S. gibt es in vielen Ausprägungen und Geschmacksrichtungen.
Kleidung, Schuhe, Auto, Computer, Kaffeemaschinen, wo haben wollen, da G.A.S.
Fakt ist, eigentlich geht auch recht viel mit viel weniger.
Nichts ist perfekt, es wird immer wo was besseres nachkommen.
Man muss sich nur Mühe geben, diese Dinge nicht zu wollen.
Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der große Bruder der Porzellankiste, oder hat sie Morgenstund im Mund?
Egal, wahrscheinlich besteht auch für mich noch ein wenig Hoffnung!
Wau, ich glaub ich habe habe gerade wieder ein Effektgerät gesehen, das brauch ich, glaube ich, unbedingt!

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