Sicher im Internet: Die Cloud

CloudIn diesem Kapitel geht es um die Cloud, wie Datenspeicher und Rechenzentren im Internet recht salopp genannt werden.
Es bedeutet in etwa, dass man seine Daten irgendwo im Internet speichern kann und auch Rechenleistung ins Internet auslagert werden kann.
Dies bringt natürlich gewisse Vorteile mit sich, aber auch Nachteile, auf die ich näher eingehen werde.

Die Idee dahinter
Das Prinzip ist nicht neu, denn in der Anfangszeit der Computer was es gar nicht möglich einen solchen daheim zu haben, außer man verfügte über eine Lagerhalle, einen industriellen Stromanschluss und einen Riesenhaufen Geld.
Rechner gab es eigentlich nur beim Militär und in Forschungseinrichtungen.
Benutzer hatte einen so genannten Terminal (grob gesagt ein Monitor mit Tastatur) der abgesetzt vom Rechner mit einem Kabel verbunden war. Man hatte ein Benutzerkonto und bekam einen gewissen Teil der Rechnerleistung und des Speichers zuerkannt.
Später wurde die Verkabelung durch einen Netzwerkanschluss, der Terminal durch einen kleinen PC ausgetauscht und man konnte sogar Daten vom Server herunterladen, jedoch die rechenintensiven Teile der Anwendung lagen letztendlich beim Server.
Mit dem Siegeszug des Personal Computer erhöhte sich die Rechnerleistung immer mehr und die Server wurden meist nur mehr verwendet, um die Daten zentral speichern zu können. Die Rechenleistung wurde jedoch meist dem lokalen Computer überlassen, da dieser nun über genügend Leistung und Speicher verfügte.
Je nach den technischen Gegebenheiten änderte sich die Philosophie der Client – Server Beziehung und wer welche Aufgaben in welchem Ausmaß übernehmen sollte.
Im Privatbereich gab es damals eigentlich sowieso keinen Grund, Daten wo anders als auf seinem Gerät zu bearbeiten und zu speichern (mangels Internet).

Warum jetzt eigentlich wieder?
Die große Verbreitung von Smartphones, Tablets und ihre Apps gemeinsam mit dem Internet sorgten für eine Renaissance unter dem Namen „Cloud Speicher“ bzw. „Cloud Computing„.
Die Idee ist nun, einen zentralen Ort für seine Daten, bzw. hohe Rechenleistung zu haben, auf die ich von jedem meiner Geräte Zugriff habe.
Ich muss mir nun keine Sorgen mehr um Backup und Datensicherheit machen, denn das macht alles der Betreiber der Cloud für mich, oder? Ich benötige lediglich einen Internetanschluss (ist heute nicht mehr außergewöhnlich) für meine Geräte und alles ist gut!
Viele Anbieter stellen sogar die Möglichkeit in Aussicht, einfach alles komplett in der Cloud zu speichern…

Ist das eigentlich nicht eh super?
Die Cloud bietet natürlich den Vorteil, jederzeit an jedem Ort (mit Internet natürlich) auf meine Daten zugreifen zu können. Dies ist jedoch auch gleichzeitig der Nachteil, weil die Daten dadurch nicht mehr alleine in meiner Gewalt sind. Passiert an zentraler Stelle ein Fehler, hat dies oft recht weitreichende Auswirkungen und es kann recht schnell zu Datenverlust kommen.
Außer man hat doch noch irgendwo ein Backup der Daten!
In den letzten Jahren gab es einige schwerwiegende Ausfälle bei großen Betreibern, die es sogar in die Medien schafften. Die Daten waren dabei zum Teil unwiederbringlich verloren und das, obwohl die Betreiber bestimmt sämtliche Maßnahmen zur Datensicherung berücksichtigt haben.

Leider ist die Datenmenge oft schon so groß, dass eine Wiederherstellung in einer vernünftigen Zeit (Stunden) gar nicht mehr möglich ist!
Sollte jemand von Daten in der Cloud beruflich abhängig sein, so kann dies sogar bis zum Bankrott führen, denn fast niemand kann sich heute einen tagelangen Ausfall leisten.
Mit steigender Menge der Daten, die ich in die Cloud lege, steigt auch das Risiko und die Abhängigkeit vom Anbieter.

Risiko für Firmen
Momentan ist es Mode, die eigene Server-Infrastruktur zu verkleinern, und alles in die Cloud auszulagern. Sämtliche Office Anwendungen können heutzutage komplett online bedient werden, was Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringt.
Zum einen ist es meiner Meinung nach moralisch verwerflich, da für die Firmen eigentlich nur die Vergrößerung des Profites durch Verringerung des Personals im Vordergrund steht. Denn wenn man die ganze Office-IT in die Cloud legt, braucht man nur mehr für die Dienstleistung an sich zu bezahlen, braucht aber keine eigenen Server, keinen Platz dafür und auch kein Personal.
Für viele Firmen ist dies eigentlich bereits schon Grund genug, dies so schnell wie möglich umzusetzen, obwohl die Auslagerung aller Daten einer Firma datenschutzrechtlich äußerst bedenklich ist.
Weiters macht man sich total vom Internet abhängig, da bei einem Ausfall eventuell gar nichts mehr gearbeitet werden kann…
Auch andere wichtige Fragen stellen sich:
Was ist nach Ablauf des Vertrages? Wenn das Service dann doch viel mehr kostet? Was passiert, wenn der Dienst eingestellt wird? Was passiert dann mit den Firmendaten? Wie bekommt man die Daten wieder? Wem gibt man die Daten als nächstes, weil es gibt ja keine eigene Infrastruktur mehr, auf die man sie speichern kann? Sind die Dienste miteinander kompatibel? Was passiert bei einem Ausfall, wie schnell ist alles wieder verfügbar? Was ist, wenn die Daten zerstört werden, wie schnell können sie wiederhergestellt werden?
Nun, man sieht recht schön, dass es außer des Einsparungspotentials auch noch andere Dinge zu berücksichtigen gibt!

Risiko für Privatpersonen
Die Cloud ist natürlich auch für Privatpersonen eine Option. Die meisten Anbieter verdienen ihr Geld sowieso mit Großkunden und „verschenken“ ihr Service für Privatpersonen, z.B. indem nur eine gewisse Kapazität verfügbar ist.
Die meisten Leute denken, dass dies eine gute Methode ist, um gewisse Daten „in Sicherheit“ zu wissen, bzw. dass dies quasi ein Backup der Daten ersetzt. Doch leider ist das nur eine trügerische Sicherheit, denn man ist vor Datenverlust nicht gefeit, wie ich auch schon am eigenem Leib erfahren musste. Weiters muss man bedenken, dass man möglicherweise private, vertrauliche oder sensible Informationen im Internet ablegt und das meist noch unverschlüsselt.
Eine weitere Krankheit ist das Passwort vergessen (was euch ja hoffentlich nicht mehr passieren kann), denn ein Konto für einen Cloud-Dienst ist gleich angelegt. Am Rechner läuft die Software mit gespeichertem Passwort und solange der OK ist, hat man kein Problem.
Außer der PC ist von heute auf morgen kaputt und man hat keinen Zugriff mehr auf die Dateien.
Hat man nun wichtige Daten in der Cloud gespeichert, sind sie zwar grundsätzlich noch da, wenn man aber das Kennwort nicht mehr weiß, ist guter Rat teuer…

Wer hat Zugriff?
Eine weitere Frage ist wie immer, wer außer mir noch Zugriff auf die Daten hat.
Wie in einigen vorherigen Kapiteln besprochen kann es natürlich sein, dass meine Daten auch missbräuchlich verwendet werden können, von wem auch immer.
Weiters steigt das Risiko eines Datenverlustes durch Hackerangriffe, da solche Rechen und Daten-Zentren für böse Hacker natürlich ein wunderbares Ziel mit schier unendlichen Möglichkeiten darstellen!

Was kann man tun?
Nun, da es auch Vorteile bietet, habe ich selbst auch Daten in der Cloud. E-Mails, Bilder, Projekte, usw. sind dadurch für mich überall und jederzeit erreichbar.
Jedoch achte ich darauf, dass sensible Informationen (z.B. Passwörter und persönliche Dokumente) nur verschlüsselt gespeichert sind und von sämtlichen Daten auch ein regelmäßiges Backup gemacht wird.
Ich bin dadurch nicht von der Cloud abhängig, d.h. wenn der Service versagt, kompromittiert oder beendet wird, existieren meine Daten trotzdem unbeschadet weiter.
Für Daten in der Cloud gilt: Wenn es unverschlüsselt gespeichert wird, dann nur Informationen, die du auch in einer Fußgängerzone an Wildfremde verteilen würdest!

In den richtigen Händen kann eine Cloud Anwendung sinnvoll und gut sein, so viel steht fest. Jedoch sollte man wie immer Vorsicht walten lassen und sich nicht zu sehr davon abhängig machen!
Ein Backup ist sowieso unerlässlich, auch wenn eh alles in der Cloud ist.
Manchmal ist vielleicht auch zu bedenken, welche Daten wirklich überall und jederzeit zur Verfügung stehen müssen…

Nachschlag:
Ich mache in meinen Ausführungen keinen Unterschied zwischen Speichern von Daten und Auslagerung von Rechenleistung, da heute meist beide recht großzügig als Cloud bezeichnet werden.

File Hosting
https://de.wikipedia.org/wiki/Filehosting
https://de.wikipedia.org/wiki/Online-Datensicherung

Cloud Computing
https://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing

Wer sich mit Verschlüsselung von Daten vertraut machen will, dem empfehle ich Veracrypt, den Nachfolger der bekannten Verschlüsselungssoftware Truecrypt.
Folgendes sei aber gleich gesagt, es ist eine sehr, sehr umfangreiche Materie…

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Ein Gedanke zu „Sicher im Internet: Die Cloud

  1. Pingback: Sicher im Internet | Krawutzi!

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