Sicher im Internet: Facebook und Co

social_mediaEin recht großer Prozentsatz aller Internetbenutzer ist auf Facebook, oder ähnlichen sozialen Medien vertreten. Manche etwas mehr, manche weniger. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob auch alle wissen, was das für sie bedeutet. Datenschützer auf der ganzen Welt schlagen die Hände zusammen, wenn sie die Datenschutzerklärung von Facebook lesen, und das nicht ohne Grund.
Ganz ehrlich, hast du dir das schon einmal komplett durchgelesen?
OK, nächste Frage, hast du auch wirklich verstanden, was das eigentlich bedeutet?

Ich will ehrlich sein, es hat sich schon gebessert. Die oben verlinkte Datenschutzerklärung ist sogar recht kurz und leicht verständlich. Vor einiger Zeit war es zu lesen, wie ein kleingedruckter, schmieriger hundertseitiger Knebelvertrag, der wahrscheinlich sogar für die meisten Juristen schlecht verständlich und auf mannigfaltigste Weise interpretierbar war.

Was machst du gerade?
Was ich recht bedenklich finde ist der soziale Striptease, den manche da hinlegen. Niemand wäre vor 20 Jahren auf die Idee gekommen, die Fotos vom Buffet des Urlaubs-Ghetto sofort an alle Freunde und Verwandte zu schicken. Oder die Fotos seiner Kinder. Oder Fotos von einer Party, auf der man sich, sagen wir mal daneben, benommen hat. Niemand hätte das, was er sich gerade denkt oder fühlt sofort auf der ganzen Welt verlautbaren lassen.
Mir ist klar, dass wir in modernen und interessanten Zeiten leben, jedoch ist es so, dass uns soziale Medien dazu verleiten, mehr von uns Preis zu geben, als uns eigentlich lieb ist.
Es gibt keine Geheimnisse mehr und keine Grenzen. Manche Menschen sind sogar auf Schritt und Tritt verfolgbar, da ihre Facebook-App auf dem Smartphone ständig die GPS Koordinaten im Internet veröffentlicht.
Der gläserne Mensch ist keine Utopie mehr.

Alles für die Werbung
Facebook und seine Partner verdienen Geld mit Werbung. Genauer gesagt, mit zielgerichteter Werbung. Aufgrund der Daten, die Facebook zur Verfügung hat, kann ziemlich genau vorhergesagt werden, was du am wahrscheinlichsten kaufen würdest. Das steigert den Werbewert erheblich und deshalb verdienen sich solche Plattformen eine goldene Nase.

Pakt mit dem Teufel
Mit der Teilnahme bei sozialen Medien bestätigst du, dass alle Daten, die du eingibst, alle Bilder und Videos, die du hochlädst zwar grundsätzlich dir gehören, jedoch der Betreiber des sozialen Mediums das Nutzungsrecht der Daten hat.
D.h. deine Daten werden verkauft und jede Menge Geld wird damit verdient.
Unglaublich viel Geld.
Facebook und Co. bieten zwar gratis eine Kommunikationsplattform und ein paar primitive Spiele für dich und deine Freunde, verdienen damit aber wesentlich mehr Geld, als zum Betreiben der Plattform und etwas Gewinn notwendig wäre. Man sehe sich den Börsenwert solcher Unternehmen an und staune. Facebook ist angeblich mehr als 200 Milliarden Euro wert. Tendenz steigend.
Und ihr beschenkt diese Unternehmen reichlich mit all euren Daten!

Es ist eigentlich unglaublich, dass eine Firma mehr über dich weiß, als du selbst. Theoretisch kann Facebook sogar vorhersagen, wann du dich von deinem Partner/deiner Partnerin trennen wirst und könnte dir gleich passende Wohnungsinserate zeigen und einen Anwalt in deiner Nähe empfehlen.
Besser als jeder Hausarzt könnte dir dein soziales Netz Medikamente verordnen.
Man könnte dir Werbung für einen Kurz-Urlaub in Steinhof anzeigen, aufgrund der Einträge und Fotos vom letzten Wochenende.
Das würdest du aber nicht so lustig finden und daher lässt man das lieber. Man schlachtet ja nicht die Gans, die goldenen Eier legt…

Weiters ist unklar, wer noch aller mitliest. Eine Weitergabe der Daten an Geheimdienste oder Polizei ist nicht nur im konkreten Anlassfall (ein Verbrechen) möglich, was ja normal wäre. Angeblich wird der gesamte Datenstrom, der von Facebook und auch anderen Internet-Riesen weltweit erzeugt wird, direkt zur Analyse an Geheimdienste gesendet. Was die dann mit den Daten machen und wie lange sie diese speichern ist weitgehend unbekannt.
Diese Praktik ist seit einigen Jahren sogar öffentlich bekannt und ging durch alle Medien. Der Aufschrei war groß.
Doch zu groß ist die Abhängigkeit der Benutzer. Zu groß die Bequemlichkeit.
Und so dauerte es nicht lange, bis alles wieder gut war und keiner mehr davon redete. Soziale Medien verzeichneten nur einen kurzen Einbruch bei Neuregistrierungen und einige wenige gingen endgültig.
Mittlerweile ist wieder alles beim Alten.

Auch einschneidende Geschehnisse der letzten Jahre tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen der Meinung sind, dass wir eigentlich noch viel mehr überwacht werden müssen. Dies dient ja schließlich nur dem Schutz vor Terroranschlägen, oder?
Aber ganz ehrlich, welche Terroristen planen ihre Anschläge ausschließlich per Internet, wo jedes Datenpaket genau verfolgt werden kann und wird? Und das vielleicht noch im Klartext? Na klar.

Ich habe ja nichts zu verbergen!
Wenn ich jemanden mit Datenschutz und Privatsphäre komme, höre ich recht häufig „ich habe ja nichts zu verbergen“. Das interessante ist, niemand hat was zu verbergen, solange ihm nichts passiert.
Spätestens, wenn man einmal einen Nachteil dadurch hat, fragt man sich, wie sowas nur passieren konnte.
Wer seine Datenschutzeinstellung nicht richtig trifft, postet für die ganze Welt sichtbar.
Es gab schon etliche Fälle, wo Angestellte gekündigt wurden, bzw. Bewerber auf Arbeitssuche aufgrund ihrer Postings abgelehnt wurden.
Dies ist zwar nicht so ganz legal, jedoch ist diese Praktik weithin bekannt und wird auch angewendet.
Es ist halt nicht dasselbe, wenn ich einem Freund erzähle, dass mein Chef ein Trottel ist, oder ob ich das auf Facebook, für das ganze Internet sichtbar, poste.
Auch vergessen manche gerne, wer eigentlich aller in der Freundesliste ist und mitlesen kann.
Aber bei 500 „Freunden“ verliert man schon mal den Überblick…

Was, du bist gar nicht bei Facebook?
Nein, ich bin nicht bei Facebook. Meine Identität im Internet ist verschleiert. In meinen Internetauftritten befindet sich keinerlei Information über meine Person. Ich habe ein Recht auf Privatsphäre und nutze es auch.
Nicht alles was ich esse, muss öffentlich dokumentiert werden, nicht alles was ich denke müssen sofort alle wissen und zu guter Letzt: Niemanden geht das etwas an, wer meine Freunde sind.
Ich möchte auch nicht, dass Freunde in sozialen Netzwerken über mich schreiben oder Bilder von mir posten.
Dies stößt zwar meistens auf Unverständnis, jedoch in Zeiten der Gesichtserkennung könnte man ganz leicht erkannt und getaggt werden. Dann ist es aus mit meiner Privatsphäre und das ohne dass ich selbst Mitglied bin!
Mich hat schon vor Jahren stutzig gemacht, dass mir Facebook E-Mails geschickt hat, mit Leuten, die ich (möglicherweise) kenne und auch auf Facebook sind. Ich möge nur Mitglied werden und kann dann mit allen kommunizieren! Das Problem war, ich kannte wirklich alle.
Möglich machts die Facebook-App auf dem Handy, die praktischerweise auch gleich deine ganzen Kontakte und alle E-Mails hoch lädt.

Cybermobbing und Cyberbullying
Mobbing gab es immer schon. Früher sagte man halt anders dazu.
Wenn man früher von einem Mitschüler/Mitarbeiter gemobbt wurde, wusste das im schlechtesten Fall die ganze Schule/Arbeit.
Wenn man heute von einem Mitschüler/Mitarbeiter gemobbt wird, kann dies weltweit von JEDEM mitverfolgt werden.
Manchmal sogar per Video.
Die Schmach und der Druck für die Betroffenen ist dadurch noch viel größer und hat schon manche in den Selbstmord getrieben.

Na gut, und wenn ich aussteige?
Ja, das ist eine gute Frage. Was passiert dann mit meinen Daten? Daten kann man nicht angreifen, man kann sie dir nicht mehr zurückgeben. Man könnte sie löschen, aber wie willst du wissen, ob jemand deine Daten tatsächlich löscht, nur weil er das behauptet? Es gibt keine Beweise, oder denkst du, dass Facebook dich in sein weltweit verteiltes unglaublich riesiges, Datencenter sehen lässt?
Weiters wird natürlich nur das gelöscht, was keine Konversation mit jemand anderen war. Hmmm. Eigentlich ist aber fast alles auf sozialen Medien eine Konversation mit anderen…
Auf jeden Fall kannst du es getrost vergessen, Präsidentschaftskandidat zu werden, denn bei den Partyfotos von vor 3 Jahren, also wirklich!

Was kann ich also tun?
Grundsätzlich kann man im Internet alles von sich geben, was man auch mittels Flugblatt in der Öffentlichkeit an Fremde verteilen würde.
Das Internet ist öffentlich und alles was du schreibst, kann relativ sicher weltweit gelesen werden.
Bzw. es gibt welche, die das können, egal was du einstellst.
Denke über folgendes Beispiel nach:
Wenn ich aus dem Fenster zehnmal „Ich bin so dumm und weiß nicht warum!“ schreie, dann werden das vielleicht ein paar Passanten und dein Nachbarn hören. In einigen Tagen kümmert das keinen Menschen mehr.
Wenn ich das selbe im Internet mache, dann kann das theoretisch weltweit von jedem gelesen werden.
Der Unterschied jedoch ist, dass es recht wahrscheinlich nie mehr verschwindet und in zehn Jahren immer noch gelesen werden kann.
Bitte respektiere auch die Privatsphäre von Menschen die nicht in sozialen Netzwerken sind.
Und bedenke, nicht alle Menschen interessieren sich für deinen Stuhlgang oder deine abartigen Sexualpraktiken 😉

Nachschlag
https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Facebook
https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_%C3%9Cberwachungs-_und_Spionageaff%C3%A4re
https://de.wikipedia.org/wiki/Cyber-Mobbing
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-02/facebook-sammelt-emailadressen/komplettansicht
Nachtrag vom 15.1.2016:
http://www.golem.de/news/facebook-freunde-finden-funktion-war-unzulaessig-1601-118538.html

Advertisements

3 Gedanken zu „Sicher im Internet: Facebook und Co

  1. Pingback: Sicher im Internet | Krawutzi!

Gib Deinen Senf dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s