Was tun, wenn eine Tür quietscht?

In meiner Reihe „so funktioniert das“ möchte ich heute aufzeigen, wie es sein könnte, wenn Akademiker in einer modernen, motivierten Firma reagieren, wenn eine Bürotüre quietscht.

Manche Menschen mögen behaupten, man könnte das Quietschen einer Türe einfach dadurch beseitigen, indem man die Scharniere schmiert.
Doch weit gefehlt, denn so leicht geht das wieder auch nicht!

Ähnlichkeiten mit echten Firmen oder Behörden sind ungewollt und rein zufällig!

Tag 1: Ein Türscharnier in der Abteilung „Rast und Ruh“ der Firma „Namenlos“ quietscht plötzlich. Vielleicht hört es ja von selber auf.

Tag 2: Das Quietschen wird lauter. Mitarbeiter unterhalten sich in den Kaffeepausen über die lästigen Geräusche.

Tag 3: Die Mitarbeiter sind genervt. Wenn jemand das Büro betritt, wird er böse angesehen. Was soll das, wer macht noch aller die blöde Türe auf?

Tag 4: Die quietschende Türe wird im Jour Fixe erwähnt. Jedoch ist keine Zeit dafür, da es wichtigeres zu besprechen gibt. Vertagung auf Montag.

Tag 5: Endlich Freitag, nur mehr ein paar Stunden Gequietsche, dann ist Wochenende!

Tag 8: Das Türquietschproblem ist nun Thema im Jour Fixe. Nach dreistündiger Beratung wird einstimmig ein Türquietschbeauftragter bestimmt. Dieser ist natürlich nicht beim Jour Fixe dabei, da er im Krankenstand ist.

Tag 15: Im Jour Fixe wird der Türquietschbeauftragte mit seiner Tätigkeit betraut.
Gründung der Task-Force-Türgeräusch.

Tag 16: Kickoff Meeting der Task-Force-Türgeräusch. Man bespricht das Problem und was man dagegen tun könnte. Ziel: Beseitigung der Türgeräusche mittels Schmierung durch einen Fachmann. Problem: es gibt keine Mittel. Budgetreferent muss für nächstes Meeting eingeladen werden.

Tag 24: Zweites Meeting der Task-Force-Türgeräusch. Diesmal ist der Budgetreferent eingeladen. Thema: Kostenschätzung des Projektes. Möglicherweise EU-weite Ausschreibung des Projektes. Projekt muss auf jeden Fall durch Vorstand genehmigt werden. Vertagung, bis Vorstandsgenehmigung erfolgt ist.

Tag 36: Der Vorstand tagt. Leiter der Task-Force-Türgeräusch und Budgetreferent tragen dem Vorstand das Problem vor. Kostenschätzung wird vorgelegt.
Vorstand beschließt, das Projekt zu genehmigen und gibt das Budget frei.

Tag 38: Die Task-Force-Türgeräusch beschließt, mehrere Schlossereien um einen Kostenvoranschlag zu bitten. Telefonate werden geführt, Mails verschickt, Termine ausgemacht.

Tag 45: Die erste Firma tritt an, sich das Problem anzusehen. Der Schlosser macht sich Notizen und geht wieder.

Tag 46: Eine Kanzleigehilfin bringt von zuhause Schmieröl mit, um die Türe zu schmieren.
Das Quietschen ist weg.

Tag 61: Die Kostenvoranschläge sämtlicher Firmen sind eingelangt. Die Task-Force-Türgeräusch sieht die Angebote durch und stellt mit großem Entsetzen fest, dass das anberaumte Budget nicht reicht. Bei weitem nicht. Termin mit Budgetreferent wird vereinbart.

Tag 65: Die Task-Force-Türgeräusch tagt mit dem Butgetreferenten. Es wird überlegt, wie man dem Vorstand eine Verzehnfachung des geplanten Budgets verkaufen kann. Man beschließt, reumütig dem Vorstand zu beichten, dass man das Projekt gänzlich unterschätz habe. Termin wegen Vorsprache beim Vorstand wird ausgemacht.

Tag 80: Der Vorstand tagt, der Leiter der Task-Force-Türgeräusch und der Budgetreferent erklären dem Vorstand das Problem und bitten um eine Aufstockung des Budgets. Der Vorstand ist über die Verteuerung entsetzt und kündigt an, dass das Konsequenzen haben wird. Das neue Budget wird genehmigt.

Tag 92: Das Budget ist nun tatsächlich für die Abteilung frei gegeben und die billigste Firma, die Schlosserei „Schloss und Riegel“ wird mit der Reparatur beauftragt. Man vereinbart den nächst möglichen Termin.

Tag 108: Die Arbeiter der Schlosserei sind da und wollen die Türe reparieren. Niemand der Büroangestellten hat eine Ahnung, wozu eine Schlosserei bestellt wurde und schickt die Arbeiter wieder weg.

Tag 124: Der Budgetreferent bekommt einen Anruf vom Vorstand.
Die Abteilung „Rast und Ruh“ muss einsparen.
Koste es, was es wolle.

Tag 130: Beim Jour Fixe der Abteilung „Rast und Ruh“ wird die Lage besprochen.
Es muss wohl ein Mitarbeiter entlassen werden. Wer ist noch unklar.

Tag 138: Die Task-Force-Türgeräusch erhält die Rechnung von der Firma „Schloss und Riegel„. Die Buchhaltung wird beauftragt, die Rechnung zu bezahlen. Das Projekt wird beendet, eine Flasche Sekt wird aufgemacht um den erfolgreichen Abschluss zu feiern.
Die Task-Force-Türgeräusch löst sich auf.

Tag 152: Der Abteilungsleiter der Abteilung „Rast und Ruh“ entscheidet sich dafür, die Kanzleigehilfin zu entlassen.
Diese trägt ohnehin nicht viel zum Erfolg der Abteilung bei und kostet nur unnötig Geld.
Endlich wieder eine positive Quartals-Bilanz!

Tag 162: Die Kanzleigehilfin wird zum Abteilungsleiter zitiert.
Leider sieht man sich aus Kostengründen gezwungen Personal abzubauen.
Die Kündigung wird ausgesprochen.

Tag 190: Die Kanzleigehilfin packt ihre persönlichen Gegenstände und geht. Beim Verlassen der Büroräume wirft sie die Türe hinter sich zu.

Tag 191: Ein Türscharnier in der Abteilung „Rast und Ruh“ quietscht plötzlich.
Naja, vielleicht hört es ja von selbst wieder auf.

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